16 Juli 2013

Fan-Mails, die einen berühren

Vorletzte Woche bekam ich eine Mail von einer neuen Leserin, die ebenfalls Sarah heißt. Sie erzählte mir, dass sie meinen Eintrag "Ich mag mich" gesehen hatte und er ihr selbst gefallen habe. Außerdem hatte sie in der Schule im Fach Philosophie (ich hab das Fach früher geliebt ^^) die Aufgabe, einen Aufsatz zu schreiben, in dem man "Bezug zur eigenen Person" nehmen sollte und die "Gesellschaft direkt kritisieren, oder zum Nachdenken anregen".

Da ihr Aufsatz sehr gut zu meinem Blogpost passte, wollte sie ihn gern mit mir teilen und schickte ihn mir in der Mail. Mir hat er sehr gut gefallen, und so möchte ich ihn, in Rücksprache mit Sarah, die mir die Erlaubnis gab, euch natürlich nicht vorenthalten!

Viel Spaß beim Lesen!

Die Sache mit dem Gewicht.

 
Ich mag mich…gerade wegen meinen Pölsterchen. Denn meine Proportionen stimmen.
Ich hab einen runden Hintern, ich habe Hüfte, aber auch Taille und Brust ist auch vorhanden.
Ich bin weiblich.
 
Es gibt mit Sicherheit viele Menschen wie mich, aber dennoch versuchen sie krankhaft an Gewicht zu verlieren.
 
Warum?
 
Nun…der Grund ist denkbar einfach.
Die heutige Gesellschaft.
Und ich meine damit nicht, dass sie sich schmachtend sau dünne Models ansehen und auch exakt so sein wollen.   
 
Ich für meinen Teil kann mich auch davon freisprechen, je in meinem Leben auf Grund meines Gewichtes geärgert worden zu sein.
Ich kann mit einem breiten Lächeln auf meine Kindheit und Schulzeit zurückblicken.  
Und dennoch hab ich Mobbing miterlebt. Nicht am eigenen Leib. Ich kann mit Stolz sagen, dass ich zu denen gehöre, die bei Ungerechtigkeit einschreiten.
Mir fehlt einfach das Verständnis für so etwas.
So hatten wir beispielsweise ein sehr dickes Mädel (mit Sicherheit über 130 Kilo) in der Klasse. Meine Klasse lies sie in Ruhe, sie wurde akzeptiert und in die Klassengemeinschaft eingeschlossen.
Aber die anderen nicht, sie war anders und folglich zur Jagd freigegeben. Ging sie einmal alleine über den Schulhof, glich das ganze einem Spießroutenlauf aus Beschimpfungen und auch tätlichen Angriffen.  Das ganze gipfelte in einer Massenschlägerei aus meiner Klasse und einem großen Teil „der anderen“ und ich bin mit Sicherheit kein Freund von Gewalt, aber irgendwie tat es verdammt gut, diesen Idioten mal all das zurückzugeben.
 
Das  Problem liegt darin, dass die Gesellschaft einen nicht dick(er) sein lassen WILL.
Sagt man „Ich fühle mich wohl!“, bekommt man zurück „Das kannst du mir nicht erzählen!“
 
Woher wollen die wissen, wie ich mich fühle? Hab ich das etwa in Leuchtbuchstaben auf der Stirn stehen? Nein, habe ich nicht und selbst wenn…dort würde stehen „Ich fühle mich wohl.“
 
Lasst doch bitte alle Menschen so leben, wie sie es wollen und redet ihnen nicht immer ein, dass in ihrem Leben irgendetwas falsch oder unnormal wäre.
Sei es die Sexualität, Religion oder eben das Gewicht.
Wir sind alles Menschen und auch wenn viele Philosophen für sich zu dem Schluss kamen, dass man den Sinn im Leben nicht bestimmen kann…ich kann es:
 
Glücklich sein und zwar so wie ICH das will.
 
 
Dann gibt es natürlich noch das „Problem“ beim Shoppen. Ich trage eine 42 bis 44, je nach Marke auch eine 46.
Warum hören so viele Marken bei 42 auf?
42 ist im übrigen die Durchschnittsgröße der deutschen Frau.
Warum muss ich also als leicht überdurchschnittliche Frau ewig durch die Läden ziehen, um etwas zu finden? Und ich rede hier von der Passform und nicht vom Geschmack.
Man sieht ein Oberteil, dass einem sehr gut gefällt und geht die Größen durch.
34, 36, 36, 36, 38, 38, 38, 38, 40 vorbei.
Super, Laune im Arsch, an sich selbst zweifeln, sauer werden, weitersuchen.
Das macht doch keinen Spaß.  
Natürlich, es gibt Übergrößen. Aber ich will nicht in extra Abteilungen, oder gar in „spezielle“ Läden. Ich will wie jeder mit einer „normalen“ Kleidergröße in den Laden gehen, meine Größe finden und zufrieden mit der neuen Beute nach Hause gehen.
 
Also hab ich die Wahl: Entweder das ganze Größentheater in Kauf nehmen, oder Abnehmen.
Ich kann lange darauf warten, dass die großen Ketten mal etwas an ihren Kleidergrößen ändern.
 
Nun bin ich ein sturer Mensch, ich werde mich nicht dem Modediktat unterwerfen.  Ich WILL nicht abnehmen. Ich habe Angst meine Proportionen zu verlieren und nachher  unglücklich zu sein, denn jetzt bin ich es nicht.
 
Und jetzt noch ein kleiner Apell an alle, die unsicher mit sich sind.
Schaut euch um. Werdet euch den Menschen bewusst, die euch lieben und mögen. Zieht daraus Stärke und seit dankbar dafür und lasst euch nicht von den ganzen Deppen runterziehen, in deren engstirnigen Welt ihr (aus welchen Gründen auch immer) nicht passt.
Denn eins kann ich sagen: Menschen, die ihr Selbstvertrauen daraus ziehen, andere fertig zu machen…DAS sind die wahren Opfer unserer Gesellschaft. 

Habt ihr so was wie Sarah schon erlebt?
Oder seht ihr die Welt mit komplett anderen Augen als wir?

Kommentare:

  1. Schöner Text, ich frage mich auch ständig, warum eine Frau möglichst dünn sein muss. Ich kenne auch keinen Kerl der sagt, dass seine Freundin möglichst dünn sein müsste. Vielen ist das doch eher egal. Habe ich jetzt jedenfalls so erlebt. Ich denke, Menschen mögen es, anderen Menschen ihre Unzulänglichkeiten unter die Nase zu halten, damit sie sich selbst besser fühlen. Und bei dicken Menschen kann man leicht sagen, dass der nur faul rumhängt und frisst. Vielleicht fühlt sich der andere so besser, weil er selber nämlich auch nicht joggen geht ;) Andererseits haben auch Frauen die unterm Durchschnitt wiegen Probleme, ewig als magersüchtig betitelt zu werden ist bestimmt auch richtig mies.

    Ich selber bin auch übergewichtig, muss aber dazu sagen, dass ich niemals, außer von meiner Oma, jemals negatives Feedback bekommen hätte. Mein Freund meint, das liegt daran, dass ich so nett und offen bin, er findet es bewundernswert, dass mich direkt jeder leiden kann, sobald er mit mir einen Satz wechselt :D Aber das liegt daran, dass ich mit mir im Reinen bin. Wenn man drauf schaut, kann man sagen, jeder Mensch hat was Hässliches an sich, oder man sagt, jeder Mensch ist auf seine Weise schön. Wenn man es genau betrachtet, ist keiner "perfekt" und das macht uns doch alle total schön und einzigartig. So sehe ich das nämlich und vermittle das auch nach außen. Ich mag mich eigentlich so wie ich bin, mein Freund meint, ich bin ein kleiner, kugeliger Panda :D
    Trotzdem möchte ich abnehmen, nicht auf krampf, sondern langsam und stetig. Einfach so, dass ich mich richtig wohl fühle, denn das Gewicht schlägt mir langsam auf die Gesundheit, ich habe leichten Bluthochdruck und seitdem ich mit herzkranken Menschen und schlaganfallpatienten zusammenarbeite, habe ich total die Panik so zu enden :D

    Puh, das war viel Geschreibsel :D
    Liebe Grüße :)

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  2. Es ist schön soetwas zu hören. Wenn man sich wohl fühlt dann ist es doch komplett egal ob man dick oder dünn ist. Man muss zufrieden sein so wie man ist.
    Doch dahin müssen viele erstmal kommen..

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  3. Ich finde es auch immer wieder schlimm, wie viele Leute sich einfach die Freiheit nehmen, ungefragt ihre Meinung über die Körperformen oder allgemein das Äußere anderer abzugeben oder gar aufgrund dessen zu einer Wertung zu gelangen.
    Ich selbst bin mit 1,56m und 47-48kg recht schlank und damit wohl eher am anderen Ende der "Wohlfühlzone" der Leute und darf mir auch immer mal wieder Dinge anhören wie "Ach Gott, du Arme, das ist ja viel zu wenig" oder "Iss doch mal mehr" oder "Da sieht man ja bald die Rippen" und dergleichen - und was kann ich dafür? Nichts! Ich hungere nicht, im Gegenteil, ich gönne mir gerne mal was süßes etc. und kann auch nicht wirklich behaupten viel Sport zu machen, aber trotzdem bin ich halt klein und schlank gebaut. Übrigens habe ich trotzdem Kurven, Brüste, Taille und Hintern und sogar eigentlich einen kleinen Bauchansatz, der nicht total flach ist, aber mein Brustkorb hat halt nicht viel Polster, sodass die Rippen trotzdem zu sehen sind wenn ich mich entsprechend bewege.
    Trotzdem mag ich mich und meinen Körper, meine Kurven, und bin mir der potentiellen Problem (niedriger Blutdruck; Was ist wenn ich mal Magen-Darm-Grippe oder eine schwere Krankheit habe, die "Reserven" bräuchte?) bewusst - aber ändern kann ich eben auch nichts daran. (Übrigens war ich als Kind und im frühren Teeniealter eher moppelig-dick und bekam ständig nahegelegt, nicht so viel süßes zu essen/trinken, was ich eh nicht tat, und mal abzunehmen etc., aber im Endeffekt hat sich das schätze ich alles "verwachsen", jedenfalls könnte ich nicht sagen, wie ich "plötzlich schlank geworden" bin.)

    Die Sache mit den Größen kenne ich aber auch, nur eben auch vom anderen Ende (und von Schuhen, Größe 35 ist da auch kein Zuckerschlecken). Die "jungen Läden" wie New Yorker, H&M und Co. führen zwar meistens Größe 34, wenn mich meine Mutter aber mal in einen Laden wie Street One mitschleift brauche ich da gar nicht erst gucken, weil's eh erst bei 36 oder 38 losgeht (selbst bei manchen C&A-Linien), und auch so, oft genug ist die 34 immer noch zu groß oder die Passform lässt eben aufgrund meiner Kurven oder kleinen Körpergröße zu wünschen übrig. Und ehrlich, ich bin "stolz" auf meine Kurven (sofern man eben auf etwas stolz sein kann, für das man nichts kann ;)) und möchte sie nicht verstecken, zumal das meistens sogar finde ich ziemlich unvorteilhaft aussieht. Solche Passformprobleme waren also ein Grund mehr für mich, mich dem Nähen zu verschreiben - noch so ein Ding, das bei vielen, die mich nicht gut kennen, beim ersten Hören eher eine ablehnende "ist das aaaaltmodisch/langweilig"-Reaktion auslöste. Bis sie dann mal ein Teil toll fanden, "Cool, wo hast du das denn her?" fragten und meine Antwort war "Das ist selbstgemacht." ;)

    Na ja, kurz gesagt sollten sich jedenfalls denke ich die meisten Leute erstmal an die eigene Nase fassen und ihre eigenen Probleme auf die Reihe kriegen sollten bevor sie sich anmaßen, anderen welche einreden zu wollen. =P Denn ob man mit sich zufrieden ist oder, in welchem Umfang oder Zeitrahmen auch immer, an sich arbeiten möchte kann ohnehin nur jeder selbst entscheiden - nur das warum ist leider nach wie vor die "beinflussbare Faktor".

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